Kinderschutz ist Zukunftsschutz – wir müssen jetzt handeln.
Im Mittelpunkt unserer Initiative steht der Schutz unserer Kinder.
Doch die Folgen einer immer früheren und intensiveren Nutzung von Smartphones und sozialen Medien reichen weit über das einzelne Kind und die einzelne Familie hinaus.
Was hier auf dem Spiel steht, betrifft unsere Bildung, unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und langfristig auch die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands.
Eine Generation wächst in einer von Algorithmen gesteuerten Informationswelt auf
Die Art, wie junge Menschen Informationen aufnehmen und sich eine Meinung über die Welt bilden, hat sich grundlegend verändert.
Soziale Medien sind für viele junge Menschen zu einem zentralen Zugang zu Nachrichten geworden. Nach dem Reuters Institute Digital News Report 2025 nutzt jede zweite Person zwischen 18 und 24 Jahren regelmäßig soziale Medien für Nachrichten. Für rund ein Drittel sind soziale Medien die wichtigste Nachrichtenquelle. 17 Prozent dieser Altersgruppe kommen sogar ausschließlich über soziale Medien mit Nachrichteninhalten in Kontakt.
Das ist eine tiefgreifende Veränderung.
Denn auf TikTok, Instagram, YouTube & Co. bestimmen nicht allein journalistische Relevanz oder Qualität darüber, welche Informationen junge Menschen erreichen. Personalisierte Algorithmen entscheiden mit, was ihnen immer wieder gezeigt wird.
Und das Geschäftsmodell dahinter ist eindeutig: Aufmerksamkeit.
Je länger unsere Kinder auf einer Plattform bleiben, desto wertvoller sind sie für das Geschäftsmodell der Plattform.
Endloses Scrollen, Autoplay, Push-Nachrichten und hochpersonalisierte Empfehlungssysteme sind keine zufälligen Produkteigenschaften. Sie sind zentrale Mechanismen der Aufmerksamkeitsbindung.
Wie ernst das Problem inzwischen ist, zeigt die Europäische Kommission: Sie stellte 2026 vorläufig fest, dass sowohl TikTok als auch Instagram und Facebook mit ihrem suchterzeugenden Design gegen den Digital Services Act verstoßen könnten. Untersucht werden ausdrücklich Infinite Scroll, Autoplay, Push-Nachrichten und hochpersonalisierte Empfehlungssysteme sowie deren Risiken für das körperliche und psychische Wohlbefinden - insbesondere auch von Minderjährigen.
Unsere Kinder stehen damit hochentwickelten Systemen gegenüber, die darauf optimiert sind, ihre Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden.
Das ist kein fairer Wettbewerb.
Die Folgen betreffen unsere gesamte Gesellschaft
Wenn immer größere Teile der Informationsaufnahme über algorithmisch gesteuerte Plattformen stattfinden, verändert das nicht nur den Medienkonsum.
Es verändert, welche Ausschnitte der Wirklichkeit Menschen sehen.
Emotionale, empörende, polarisierende und extreme Inhalte können besonders viel Aufmerksamkeit erzeugen. Empfehlungssysteme können Nutzer immer weiter in bestimmte Themen- und Gedankenwelten hineinführen.
Damit wachsen die Risiken von Desinformation, Polarisierung, Radikalisierung und der Normalisierung extremistischer oder menschenfeindlicher Weltbilder.
Phänomene wie die sogenannte “Manosphere” zeigen beispielhaft, wie frauenfeindliche und extremistische Vorstellungen über digitale Plattformen verbreitet werden und insbesondere junge Männer erreichen können.
Eine demokratische Gesellschaft lebt jedoch davon, dass Menschen unterschiedliche Informationen wahrnehmen, Quellen beurteilen, Argumente abwägen und sich eine eigene Meinung bilden können.
Wir dürfen diese Fähigkeit nicht kommerziellen Algorithmen überlassen.
Gleichzeitig brechen grundlegende Kompetenzen ein
Während die tägliche Nutzung digitaler Medien das Leben von Kindern und Jugendlichen immer stärker prägt, zeigen die neuesten Bildungsdaten eine alarmierende Entwicklung.
Seit der Einführung des Smartphones im Jahr 2007 beobachten Schulen, Ausbildungsbetriebe und Hochschulen einen kontinuierlichen
Leistungsrückgang bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Konzentrationsfähigkeit, Lesekompetenz, Frustrationstoleranz und Ausdauer haben in den letzten anderthalb Jahrzehnten spürbar abgenommen - ein Befund, den zahlreiche internationale Vergleichsstudien (PISA, IGLU, OECD, WHO) bestätigen.
Beispielhaft sei in Deutschland auf die IGLU Lesestudie aus dem Jahr 2021 und den IQB-Bildungstrend 2024 verwiesen.
Auch die im September 2026 veröffentlichte PISA-Studie 2025 zeichnet für Deutschland ein deutliches Bild: In Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften wurden 2025 die niedrigsten Ergebnisse gemessen, die Deutschland seit Beginn der PISA-Erhebungen erzielt hat. Die OECD spricht von einer Fortsetzung des negativen Trends des vergangenen Jahrzehnts.
Besonders deutlich wird die Entwicklung im langfristigen Vergleich: Gegenüber 2015 ist der Anteil der leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler in Deutschland in Mathematik um 17 Prozentpunkte, beim Lesen um 15 Prozentpunkte und in den Naturwissenschaften um 10 Prozentpunkte gestiegen.
Deutschland liegt inzwischen in allen drei Bereichen nur noch nahe am OECD-Durchschnitt.
Auch international ist die Entwicklung besorgniserregend. Die OECD berichtet für den Zeitraum von 2015 bis 2025 von einem Rückgang der durchschnittlichen Leseleistung um 28 Punkte – nach ihrer Einordnung entspricht dies ungefähr eineinhalb Lernjahren. In Mathematik beträgt der Rückgang 22 Punkte und damit mehr als ein Lernjahr.
Besonders bemerkenswert: Die OECD weist bei der aktuellen PISA-Erhebung ausdrücklich darauf hin, dass gerade solche Lesefähigkeiten zurückgehen, die im Zeitalter von Social Media und Künstlicher Intelligenz immer wichtiger werden - Informationen bewerten, unterschiedliche Quellen miteinander verbinden und Gelesenes kritisch hinterfragen.
Die jüngsten PISA-Ergebnisse sind damit ein weiteres unübersehbares Warnsignal: Grundlegende Fähigkeiten, auf denen Bildung, Ausbildung und später unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit beruhen, befinden sich seit Jahren im Rückgang.
Die Folgen sind längst auch ökonomisch relevant:
- Unternehmen berichten von Auszubildenden, denen es schwerfällt, sich über längere Zeit auf komplexe Aufgaben zu konzentrieren.
- Hochschulen beobachten steigende Abbruchquoten, geringere Selbstdisziplin und sinkende Leistungsniveaus.
- Führungskräfte und Ausbilder beschreiben eine junge Generation, die zunehmend digital überfordert, aber intellektuell, sozial und emotional unterentwickelt ist.
Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt wird, droht unserer Volkswirtschaft ein langfristiger Schaden: ein Rückgang der Innovationskraft, der Produktivität und der Wettbewerbsfähigkeit.
Wir stehen vor nichts Geringerem als einer schleichenden Erosion unseres Humankapitals.
Deshalb ist jetzt entschlossenes politisches Handeln erforderlich.
Wenn Kinder täglich mehreren Stunden manipulativer Aufmerksamkeitsökonomien ausgesetzt sind, betrifft das nicht nur ihre persönliche Entwicklung – es betrifft die Zukunftsfähigkeit unserer gesamten Volkswirtschaft.
Es gilt, jetzt die Notbremse zu ziehen, bevor eine ganze Generation in digitalen Abhängigkeiten verloren geht. Wir brauchen eine Generation, die die Maschine nützlich einsetzenkann, nicht eine, die von ihr beherrscht wird. Unsere Kinder dürfen nicht länger Versuchskaninchen einer digitalen Welt sein, die ihren Profit aus der Dauer der Mediennutzung zieht.
Ein gesetzlicher Rahmen, der Minderjährige vor frühzeitiger Social-Media-Nutzung schützt, ist kein Eingriff in Freiheit, sondern eine Investition in die Zukunft unseres Landes – in Bildung, Gesundheit und Wirtschaftskraft.
Solange die Politik nicht handelt, sollten wir wenigstens für uns - vor Ort in Leichlingen - unsere Kinder bestmöglich schützen.
Wir für Leichlingen.
