Was die Forschung sagt

Forschung zu sozialen Medien ist schwierig. Viele Studien zeigen Zusammenhänge: Kinder, die viel Social Media nutzen, haben zum Beispiel häufiger Schlafprobleme. Ob das eine das andere verursacht, lässt sich oft nicht sicher beweisen. Ein Beispiel: Ein Kind, das schlecht schläft, greift vielleicht auch nachts eher zum Handy. Seriöse Wissenschaftler formulieren deshalb vorsichtig.

Trotzdem empfehlen führende Fachleute, schon jetzt zu handeln. Man nennt das Vorsorgeprinzip: Schutzmaßnahmen sollen bereits greifen, wenn es deutliche Hinweise auf Risiken gibt - auch wenn noch nicht alles abschließend bewiesen ist. Ein Vergleich: Wir lassen Kinder auch nicht ohne Helm Rad fahren, bis bewiesen ist, dass dieses Kind stürzen wird.

Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften (August 2025)

Eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat die Studienlage ausgewertet. Ergebnis: Soziale Medien können positive Effekte haben. Bei intensiver Nutzung können aber negative Folgen für das psychische, emotionale und soziale Wohlbefinden auftreten - etwa depressive Verstimmungen, Angstsymptome, Aufmerksamkeits- oder Schlafprobleme.

Die Empfehlungen im Überblick:

  • keine Social-Media-Konten für Kinder unter 13 Jahren,
  • für 13- bis 15-Jährige nur mit gesetzlich geregelter Zustimmung der Eltern,
  • für 13- bis 17-Jährige altersgerecht gestaltete Plattformen, etwa ohne personalisierte Werbung, ohne Push-Nachrichten und ohne Endlos-Scrollen,
  • keine Smartphones in Kitas und Schulen bis einschließlich Klasse 10.

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DAK-Gesundheit und Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) – Mediensuchtstudie 2026

Die Studie begleitet seit 2019 Familien mit Kindern von 10 bis 17 Jahren (zuletzt befragt im Herbst 2025). Ergebnis: 21,5 Prozent nutzen soziale Medien riskant, 6,6 Prozent gelten als abhängig. Im Jahr 2019 lag der Anteil der Abhängigen noch bei 3,2 Prozent. An einem normalen Schultag verbringen 10- bis 17-Jährige im Schnitt 146 Minuten mit sozialen Medien, am Wochenende 201 Minuten.

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JIM-Studie 2025 (Jugendliche von 12 bis 19 Jahren)

Die JIM-Studie ist eine der wichtigsten Befragungen zur Mediennutzung Jugendlicher in Deutschland und erscheint jedes Jahr. 2025 zeigte sie unter anderem: 12- bis 13-Jährige kommen auf 166 Minuten Bildschirmzeit am Smartphone pro Tag. Zwei Drittel der Jugendlichen verbringen häufig mehr Zeit am Handy als geplant.

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KIM-Studie 2024 (Kinder von 6 bis 13 Jahren)

Das Gegenstück zur JIM-Studie für Jüngere: 46 Prozent der 6- bis 13-Jährigen besitzen ein eigenes Smartphone, ab 10 Jahren mehr als die Hälfte. 42 Prozent der Kinder in diesem Alter, die das Internet nutzen, verwenden regelmäßig TikTok – obwohl das Mindestalter bei 13 Jahren liegt.

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Italienische Langzeitstudie zu Schulleistungen (Nature Human Behaviour, August 2026)

Forschende um Marco Gui (Universität Mailand-Bicocca) haben die Schulleistungen von 5.227 Schülerinnen und Schülern aus 28 norditalienischen Schulen über mehrere Jahre ausgewertet. Wer schon in der 6. bis 8. Klasse ein eigenes Social-Media-Konto eröffnete, schnitt später in Italienisch und Mathematik schlechter ab als Kinder, die erst ab der 9. Klasse (mit 14 bis 15 Jahren) einstiegen. Die Autoren betonen selbst, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt und die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden sollten.

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