Worauf warten?

Soziale Medien können Spaß machen, verbinden und Neues zeigen. Für Kinder bringen sie aber Risiken mit sich, die selbst aufmerksame Eltern kaum kontrollieren können. Auf diesen Seiten erklären wir die wichtigsten Risiken in einfachen Worten, zeigen, was Forschung und Politik sagen – und beantworten die Fragen, die uns Eltern am häufigsten stellen.

Beim Jugendschutz sind wir es gewohnt, klare Grenzen zu ziehen.

An der Kinokasse gilt die Altersfreigabe. Bestimmte Filme waren für Kinder in Videotheken nicht zugänglich. Bei sozialen Medien funktioniert dieser Schutz nur sehr eingeschränkt. Brutale Videos, Pornografie, Hass oder extreme Schönheitsideale können nur wenige Wischbewegungen entfernt sein. Kinder müssen danach nicht einmal suchen.

Wir würden unserem Kind nicht erklären, wie es mit einem Film ab 18 umgehen soll - und es danach damit allein lassen. Wir würden dafür sorgen, dass es diesen Film noch nicht sieht!
 

Die App entscheidet, was unsere Kinder sehen

Beispiel: Ihr Kind schaut sich ein Video über Diäten etwas länger an - vielleicht nur aus Neugier. Der Algorithmus “lernt” daraus und zeigt in den nächsten Tagen mehr Videos zu Diäten, Kalorien und dünnen Körpern. Ihr Kind hat nichts davon gesucht. Genau hier liegt ein entscheidender Punkt: Auch engagierte Eltern können nicht kontrollieren, welches Video als Nächstes erscheint. Eltern sind in der Lage ihre Algorithmen in den Plattformen zu trainieren, Kinder werden unvermittelt hineingezogen.

Kurz erklärt - Algorithmus: Ein Computerprogramm, das auswählt, welches Video oder welchen Beitrag die App als Nächstes zeigt. Es merkt sich, wie lange unsere Kinder wohin schauen, wie sie interagieren, und zeigt mehr davon.

Kurz erklärt - Feed: Die endlose Liste von Beiträgen, die man in der App nach unten wischt / scrollt.

Es gibt keinen Schlusspunkt

Bei einem Buch gibt es ein Kapitelende, bei einer Fernsehsendung den Abspann. Bei TikTok oder Instagram gibt es keinen natürlichen Schlusspunkt, an dem ein Kind merkt: Jetzt ist Ende. Aus “nur kurz gucken” werden Stunden. Die Leopoldina zählt Endlos-Scrollen und Push-Nachrichten ausdrücklich zu den besonders “suchterzeugenden Funktionen”.

Kurz erklärt - Endlos-Scrollen und Autoplay: Der Feed hört nie auf ("endlos"), und das nächste Video startet automatisch ("Autoplay").

Kurz erklärt - Push-Nachricht: Eine Meldung, die auf dem Bildschirm aufploppt ("Edith hat ein neues Video gepostet!"), um Ihr Kind zurück in die App zu holen.

Cybergrooming: Fremde können Kontakt aufnehmen

In einer Befragung der Landesanstalt für Medien NRW (Sommer 2026) gab rund jedes fünfte Kind bzw. jeder fünfte Jugendliche zwischen 8 und 17 Jahren an, mindestens eine Form von Cybergrooming erlebt zu haben. Bei den 14- bis 17-Jährigen war gut jeder Vierte betroffen, bei den 8- bis 13-Jährigen etwa jedes achte Kind. Am häufigsten genannt wurden Anfragen nach Verabredungen und die Aufforderung, Bilder zu schicken.

Cybermobbing: Mobbing endet nicht mehr am Schultor

Früher konnte ein Kind nach der Schule nach Hause gehen und hatte Ruhe. Heute kommen die Nachrichten bis ins Kinderzimmer, auch nachts. Und ein peinliches Foto ist in Sekunden an die ganze Klasse verschickt. In der JIM-Studie 2025 berichteten 64 Prozent der befragten 12- bis 19-Jährigen, im Monat vor der Befragung im Netz auf Beleidigungen gestoßen zu sein.

Kurz erklärt - Cybergrooming: Erwachsene nehmen im Internet gezielt Kontakt zu Kindern auf, um sie sexuell zu missbrauchen. Sie geben sich oft als Gleichaltrige aus, machen Komplimente, schenken Aufmerksamkeit – und bitten dann zum Beispiel um Fotos.

Kurz erklärt - Cybermobbing: Jemand wird über das Internet oder das Handy beleidigt, bloßgestellt, bedroht oder ausgegrenzt - zum Beispiel durch gemeine Kommentare, peinliche Fotos oder indem er absichtlich aus einer Gruppe entfernt wird.

Ungewollte Bilder, die man nicht mehr vergisst

28 Prozent der 12- bis 19-Jährigen berichten in der JIM-Studie 2025 von ungewolltem Kontakt mit pornografischen Inhalten. Zwei Drittel sind im Monat vor der Befragung auf Falschnachrichten gestoßen. Ein Kind kann nicht “ungesehen” machen, was es einmal gesehen hat. Gerade jüngere Kinder können brutale oder sexuelle Inhalte noch nicht so einordnen wie Erwachsene.

Zu viel Zeit! Zu wenig Schlaf! Zu viel Ablenkung!

  • 12- bis 13-Jährige nutzen ihr Smartphone laut JIM-Studie 2025 im Schnitt 166 Minuten am Tag - also fast drei Stunden.
  • Zwei Drittel der Jugendlichen sagen, dass sie häufig länger am Handy sind als geplant.
  • Drei von zehn sind morgens oft müde, weil sie nachts zu lange am Handy waren.
  • 44 Prozent lassen sich bei den Hausaufgaben regelmäßig ablenken.

Wenn es zu viel wird: riskante Nutzung und Abhängigkeit

Laut der DAK-Mediensuchtstudie (Befragung Herbst 2025) nutzen 21,5 Prozent der 10- bis 17-Jährigen soziale Medien riskant, 6,6 Prozent gelten als abhängig. Hochgerechnet sind das rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland - etwa jedes vierte Kind.

Kurz erklärt - riskante Nutzung / Abhängigkeit: “Riskant” heißt: Die Nutzung ist schon so ausgeprägt, dass Probleme drohen. “Abhängig” heißt: Das Kind kann nicht mehr aufhören, obwohl es merkt, dass Schule, Schlaf oder Freundschaften darunter leiden.

Was bedeutet das für uns Eltern?

Wir können mit unseren Kindern reden, Regeln vereinbaren, Bildschirmzeiten begrenzen und Sicherheitseinstellungen nutzen. All das ist wichtig. Aber wir können nicht kontrollieren, was jemand in einen Gruppenchat stellt oder welches Bild oder Video plötzlich auf dem Bildschirm auftaucht. Deshalb ist der verlässlichste Schutz für jüngere Kinder zunächst: noch nicht. Daher “Mitmachen”!